Allein mit Kind

Vater, Mutter, Kind: so spielen wir in der Kindheit den Alltag, von dem wir träumen. Die Realität heute sieht leider oft ganz anders aus.

Das Schicksal legt uns manchmal große Steine in den Weg. Es ist letztlich kein großer Unterschied, ob
man allein mit Kind leben muss, weil man sich getrennt oder seinen Partner durch einen Schicksalsschlag verloren hat. 6 % der Bevölkerung in Deutschland steht alleine mit Kind im Leben. Es ist für Ein-Eltern-Familien schon nicht leicht, alle Probleme allein zu lösen und alle Entscheidungen treffen zu müssen. Deshalb ist es für alleinerziehende Muttis und Vatis mit Kindern besonders wichtig, sich einen Freundes- und Bekanntenkreis aufzubauen. Ein Austausch mit Gleichgesinnten löst manche kleine Sorge. Schön ist es, wenn es Großeltern oder Verwandte gibt, die bei Bedarf einspringen können. Hat man die nicht, ist die gute Freundin mit den gleichen Lebensumständen oft eine gute Alternative. Man kann sich Hilfe geben, gegenseitig auf die Kinder aufpassen oder manches gemeinsam unternehmen.

In vielen Städten gibt es auch Selbsthilfegruppen für allein Erziehende.

Aber das ist nur ein kleiner Aspekt des täglichen Lebens, wenn man allein mit Kind leben muss. Viele sind oft nicht in der Lage einer Tätigkeit nachzugehen, wenn man das Kind nicht unterbringen kann. Dann hat man zwar Anspruch auf staatliche Hilfen wie Arbeitslosengeld II und oder Elterngeld, aber erfahrungsgemäß kann man damit keine großen Sprünge machen.
Manche Mutti oder Vati muss sich darüber hinaus mit dem Eintreiben der Unterhaltszahlungen des
anderen Elternteiles auseinandersetzen. Kommt der zur Zahlung verpflichtete seiner Pflicht nicht oder nur
unregelmäßig nach, hat man einen Anspruch auf Unterhaltsvorschuß. Zur Zeit wird dieser für maximal 6 Jahre gewährt. Natürlich hat das Kind auch Anspruch auf Kindergeld.

Aber auch, wenn das Kind betreut wird und man einer Tätigkeit nachgehen kann, ist die finanzielle
Situation nicht automatisch besser. Mehr als 90 % der Alleinerziehenden sind Frauen. Etwas mehr als die Hälfte davon gehen einer Tätigkeit nach. Oft ist es leider so, dass wegen der Schwangerschaft auch die
berufliche Ausbildung, manchmal sogar die Schulausbildung abgebrochen wurde. Deshalb arbeiten alleinerziehende Frauen meist in niedrig bezahlten Berufen und haben ohne weiterführende Ausbildung meist wenig Chancen, an diesem Zustand etwas zu ändern. Dann kommt zu finanziellen Sorgen meist auch noch der Spagat zwischen Berufstätigkeit und dem Wunsch, eine gute Mutter zu sein. Zeitdruck haben Eltern allein mit Kind permanent. Die finanziellen und organisatorischen Aufgaben, die sich Elternpaare teilen können, müssen sie allein bewältigen.

Diese Dreifachbelastung – denn schließlich muss auch der Haushalt bewältigt werden – belastet die Gesundheit der Alleinerziehenden. Studien haben ergeben, dass sich eine Mutter allein mit Kind viel mehr Sorgen um die Zukunft macht. Da ist nicht nur die Angst, selbst einmal krank zu werden und das Kind allein lassen zu müssen. Da ist auch die Sorge um die eigene berufliche Weiterentwicklung und der Zukunft des Kindes. Kann ich meinem Kind den Weg ins Leben ebnen, fragen sich die allein Erziehenden.
Viele haben das Gefühl, der Herausforderung eines Lebens allein mit Kind nicht mehr gewachsen zu sein, fühlen sich überfordert und allein gelassen. Leider ist es in unserer Gesellschaft Usus, erfolgreich sein und alle Aufgaben bewältigen zu müssen. Wir müssen funktionieren, sonst werden wir argwöhnisch beäugt und oft sogar vorverurteilt. Kommen dann schwierige Wohnverhältnisse und Erziehungsprobleme mit den Kindern hinzu, erlebt der Alleinerziehende dies oft als eigenes Versagen. Viele schämen sich dann, Hilfe von außen zu suchen oder anzunehmen. Es gibt viele Hilfen zur Selbsthilfe, die von Kirchen, Sozial- und Jugendämtern angeboten wird. Sicher ist es einfacher gesagt als getan, um Hilfe zu bitten, aber dadurch können oft größere Probleme verhindert werden. Das Problem ist, dass sich allein Erziehende oft diskriminiert fühlen. Nicht selten ist da mangelnde Toleranz der Mitbürger der Auslöser dafür. Mobbing erleben Ein-Eltern-Familien öfter. Das betrifft nicht nur das Elternteil, sondern auch die Kinder. Spätestens, wenn das Kind in der Schulzeit nicht mit Markenkleidung und Smartphone mithalten kann, besteht die Gefahr ausgegrenzt zu werden. Gleiche Schulbekleidung für alle würde dieses verhindern. Leider sieht die Politik dazu keinen Handlungsbedarf. Eltern mit engen finanziellen Grenzen hätten dadurch eine Sorge weniger und die Kinder mehr Chancen.

 

 

Trotz aller Maßnahmen durch den Staat bleibt das Leben allein mit Kind wesentlich schwieriger als in Familien mit zwei Elternteilen. Bei seelischer Überbelastung sollte man auch an Beantragung einer Mutter-Kind-Kur denken. Dieser Urlaub vom Alltag hilft zumindest, die Gesundheit des erziehenden Elternteiles zu erhalten. Einmal ohne Arbeit und Haushalt eine sorgenfrei Zeit für das Kind zu haben, ist für Muttis und Vatis allein mit Kind ein fast unbezahlbarer Luxus und doch so nötig. Allein Erziehende verdienen unseren Respekt und jede Unterstützung. Im Internet findet man dazu Seiten, die auch bei der Antragstellung helfen.

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