Alleinerziehende in Deutschland – eine weit verbreitete Lebensform

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In den letzten 30 Jahren kam es zu einem Wandel des Familienlebens in Deutschland. Früher überwog die traditionelle Familienform der Ehe. Die Rollen beider Elternteile waren klar verteilt. Der Ehemann war der Ernährer der Familie, und die Ehefrau hatte meist die alleinige Verantwortung für die Erziehung der Kinder und für die Familienarbeit. Gleichzeitig wurde die „unvollständige Familie“ als negativ bewertet. Alleinerziehende in Deutschland wurden ausgegrenzt und gehörten zu den Randschichten.

Heute gehört die traditionelle Familie mehr und mehr der Vergangenheit an. Das Lebensbild der Einelterfamilien hat sich seit der Förderung der Individualrechte der Menschen weit verbreitet. Ein Zeichen des sozialen Wandels ist unter anderem auch der stetige Anstieg von Trennungen und Scheidungen in Deutschland. Hauptgründe dafür sind meist Beziehungsprobleme, die oft durch die Geburt des Kindes entstehen. Alleinerziehende in Deutschland haben sich nur zu einem geringen Teil von Anfang an für diese Lebensform entschieden.

In den meisten Fällen sind es die Mütter, selten die Väter, die ihre Kinder allein erziehen. Babys und Kleinkinder wachsen meist bei den Müttern auf. Bei den Vätern lebende Kinder sind meist älter. Die bestehende Unterhaltspflicht wird einerseits von dem Elternteil, bei dem das minderjährige Kind lebt, erfüllt. Andererseits muss der andere Elternteil der Zahlung von Unterhalt nachkommen. Tut er dies nicht oder nur unregelmäßig, besteht ein Anspruch auf Unterhaltsvorschuss.

Hintergründe und Ursachen für die kontinuierliche Zunahme dieses Familienmusters sind innerhalb Deutschlands sehr verschieden. Es gibt dabei eine deutliche Abweichung zwischen Ost und West. Einelternfamilien sind im Osten Deutschlands mehr verbreitet. Viele Frauen sind ledig, und somit werden mehr Kinder außerhalb der Ehe geboren. Im Westen Deutschlands sind die Einelternfamilien meist auf Scheidungen und Trennungen zurückzuführen.

Unabhängig davon sind Alleinerziehende in Deutschland im Vergleich zu Paarfamilien öfter sozial benachteiligt und armutsgefährdet. Die Mütter sind dabei mehr betroffen, als die Väter, da sie oft beruflich zurücktreten, um Familie und Beruf miteinander in Einklang zu bringen.

Alleinerziehende in Deutschland wollen arbeiten, zumindest die meisten von ihnen. Doch die Integration in das Berufsleben ist schwierig, da die Kinderbetreuungszeiten und Arbeitszeiten häufig nicht miteinander vereinbar sind. Finanzielle Sorgen, Angst um die Zukunft und Überforderung resultieren daraus. Um so wichtiger ist deshalb die staatliche Unterstützung sowie die Möglichkeit, Beratungs.- und Qualifizierungsangebote nutzen zu können. Familiäre und soziale Netzwerke können dabei helfen, verlorenes Selbstvertrauen zurückzugewinnen und Alltagsprobleme besser zu bewältigen.

Obwohl die Anzahl der Alleinerziehenden in Deutschland kontinuierlich steigt, wird
größtenteils selten von vornherein geplant, die Kinder allein zu erziehen. Ist dies aus Sicht der Eltern dennoch unumgänglich, behalten die meisten Elternteile trotz vieler Schwierigkeiten und Entbehrungen eine positive Lebenseinstellung. Allein erziehend zu sein, wird nicht mehr als Problem angesehen, sondern als Lebenssituation.

 

 

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