Was ist Autoritäre Erziehung?

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Erziehung ist immer abhängig von den gesellschaftlichen Bedingungen. Und so kommt es, dass es Zeiten gab, in denen die autoritäre Erziehung eine selbstverständliche Erziehungsmethode war. Bei der Begriffskombination autoritäre Erziehung, stellen sich viele Menschen prügelnde Eltern und weinende Kinder vor. In der Schule gab es bei Unfolgsamkeit Schläge mit dem Stock und zwar direkt auf die empfindlichen Fingerspitzen. Und damit diese Sanktion auch nachhaltig wirkte, durften die anderen Kinder dem Szenario zuschauen. Das hatte einen abschreckenden Effekt.

Autoritäre Erziehung will kontrollieren. Dabei orientiert sie sich an festen privaten und gesellschaftlichen Zielen. In den Elternhäusern vergangener Zeiten gab es noch feste Regeln, deren Einhaltung ungeschriebenen Gesetzen glich. Natürlich durften die Kinder auch damals draußen spielen. Das sollten sie sogar, damit sie sich austoben konnten und den Kopf von der Schule freibekamen. Doch wehe, wenn das Kind zu spät vom Spielen kommt und das Abendessen auf dem Tisch warten musste. Dann kam es nicht selten vor, dass das Kind ohne Essen und mit einer Tracht Prügel ins Bett geschickt würde. Beim nächsten Mal würde sich das Kind überlegen, ob es zu spät nach Hause kommt.
Autoritäre Erziehung muss konsequent eingesetzt werden, wenn sie dauerhaft und nachhaltig wirken soll. Eltern, die je nach Laune reagieren verwirren das Kind. Schließlich weiß das Kind gar nicht mehr, woran es ist. Zweifellos macht die autoritäre Erziehung aus den Kindern disziplinierte Menschen, die sich an Regeln halten und höflich sind. Dennoch kann der Erziehungsstil auch in das Gegenteil umschlagen. Dann werden die Kinder stur und störrisch. Es kann vorkommen, dass die Kinder nach außen hin vorgeben, die strengen Regeln der Erwachsenen zu akzeptieren, nur um den Sanktionen zu entgehen. Im Inneren denkt das Kind aber ganz anders. Und umso älter das Kind wird, umso mehr wird es sich von den prügelnden Eltern abwenden. Das Verhältnis, welches eigentlich auf gegenseitiger Achtung, Respekt und Liebe basieren sollte, ist für immer zerstört. Es kann sogar gesagt werden, dass es bei autoritärer Erziehung, in der es kaum liebevolle Momente gibt, zu einem Verlust der Persönlichkeit der Kinder kommt, da auf deren Bedürfnisse nicht eingegangen wurde.

Und so haben die Kinder zeitlebens die Folge der autoritären Erziehung zu tragen. Oft können sich autoritär erzogene Menschen kaum durchsetzen. Es fehlt ihnen an Selbstbewusstsein. Und so werden sie noch im erwachsenen Alter zur Zielscheibe. Nur wenigen gelingt es diese destruktiven Muster zu zerstören. Umso schöner ist es, dass viele Opfer der autoritären Erziehung ihre Kinder anders erziehen. Sie versuchen, das, worunter sie als Kind gelitten haben bei ihren eigenen Kindern nicht zu wiederholen.

Zusammengefasst bedeutet dies, dass autoritäre Erziehung darauf abzielt, das Verhalten und die Ziele der Kinder vollkommen zu kontrollieren. Die Erzieher machen sich keine Mühe die Handlungsmotivationen der Kinder nachzuempfinden. Abweichende Gedanken, Meinungen und Verhalten werden nicht geduldet. Eine autoritäre Erziehung war besonders in Diktaturen, wie z.B. dem Nationalsozialismus, ein beliebtes Erziehungsmittel.

Nun gibt es in der Welt aber nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern viele Grauzonen. Deshalb ist das Gegenteil für autoritäre Erziehung kein Patentrezept für Eltern und Pädagogen. Autoritäre Erziehung galt in den späten Sechzigern als überholt. Eine neue Generation wuchs heran und diese wollte alles anders, nein, besser machen. Es war die Generation der autoritär erzogenen Nachkriegskinder. Love, Peace und Flowers, das waren die Worte, welche dem Leben neuen Sinn verliehen. Die Kinder dieser Generation genossen sämtliche Freiheiten. Laissez faire – machen lassen, hieß der Erziehungsstil, der zu diesem Motto passte. Kinder durften nun alles. Sie brauchten sich an keine Regeln zu halten, sondern durften den Erwachsenen auf dem „Kopf rumtanzen“. Plötzlich wurden die Wünsche der Kinder ernst genommen. Ihre Bedürfnisse standen an vorderster Stelle. Kinder wurden wie kleine Königinnen und Könige behandelt. Doch deshalb kann die antiautoritäre Erziehung noch lange nicht als Königsweg der Pädagogik bezeichnet werden, denn wie bei allen Extremen, entwickeln sich die Kinder nicht zu stimmigen Erwachsenen. Antiautorität erzogene Kinder haben später Probleme sich an Regeln zu halten. Es fällt ihnen schwer sich anzupassen. Konflikte ertragen sie nicht und Widersprüche akzeptieren sie schlecht.

Und so ist auch im Hinblick auf die Erziehung der goldene Mittelweg empfehlenswert. Es gibt dafür keine Gebrauchsanleitung. Zweifellos brauchen Kinder Regeln und Rituale. Sie sollten früh lernen Verantwortung zu übernehmen. Das wichtigste überhaupt ist, dass die Eltern ihren Kindern ein gutes Vorbild sind, an dem sie sich orientieren können.

 

 

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