Familienfreundlichkeit

Das Thema Familienfreundlichkeit in Deutschland ist ein Dauerbrenner, der immer wieder für Schlagzeilen sorgt. In diesem Bereich hat sich die Situation in Deutschland in den letzten Jahren zwar verbessert, trotzdem gibt es noch viele Missstände. Insgesamt belegt Deutschland dabei einen mittleren Platz in der EU.

Was bedeutet eigentlich Familienfreundlichkeit?
Der Begriff ist nicht klar definiert. Im Allgemeinen versteht man darunter, wie sehr Familien gefördert werden. Das umfasst mehrere Gebiete, darunter zum Beispiel die Bereitstellung von ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum, die Möglichkeit der Kinderbetreuung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie finanzielle Beihilfen für Familien. Dazu kommen noch viele andere, oft subjektive Faktoren.

 

 

Wie ist die Situation?
Es gibt zwar einen Familienatlas, den das Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben hat, dieser stellt jedoch nur die allgemeine Situation in den Städten und Gemeinden Deutschlands dar. Individuell gibt es erhebliche Unterschiede. In den letzten Jahren hat sich die Situation in Punkto Familienfreundlichkeit verbessert. So war zum Beispiel die Einführung des Elterngeld ein großer Erfolg. Es wird weit stärker als erwartet in Anspruch genommen. Besonders das erste Lebensjahr eines Kindes ist eine schöne Zeit, die man nicht vermissen möchte. Wer denkt nicht gerne an den Tag zurück, an dem man zum ersten Mal das Wort „Mama“ hören konnte oder das Baby anfing, herumzukrabbeln. Durch die Elternzeit kann man das alles miterleben. Auf dem Gebiet der finanziellen Beihilfen ist Deutschland vorbildlich. Auf anderen Gebieten sieht es mit der Familienfreundlichkeit leider nicht so gut aus. Ein großes Problem ist die Wohnsituation. Besonders größere Familien suchen oft händeringend nach bezahlbaren Wohnungen und können keine finden. In den Ballungsgebieten, in denen es die besten Arbeitsmöglichkeiten und Freizeitangebote gibt, ist die Situation besonders schlimm. dort wird aus Familienfreundlichkeit oft Familienfeindlichkeit. Großfamilien werden von vielen Vermietern noch als asozial angesehen und als Mieter strikt abgelehnt. Für viele Menschen gilt bereits eine Familie mit 3 Kindern als „Großfamilie“. Der Trend bei Mietwohnungen geht eindeutig zu Apartments und Zweizimmerwohnungen. Größere Wohnungen werden in Metropolen wie München, Hamburg, Köln oder Düsseldorf fast nur zu astronomischen Preisen vermietet, die sich keine normale Familie leisten kann. Da nützt es auch nichts, wenn es in der Nachbarschaft gute Schulen und zahlreiche Möglichkeiten der Kinderbetreuung und Freizeitgestaltung gibt. Als Alternative bleibt nur der Ausweg, aufs Land zu ziehen. Dort gibt es aber wiederum schlechtere Freizeitmöglichkeiten, Probleme um geeignete Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder zu finden und schlechtere Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Wie viele Familien, die auf dem Land leben, aus eigener Erfahrung wissen, ist dort ein eigenes Fahrzeug unverzichtbar. Da in den meisten Familien wenigstens ein Elternteil arbeiten geht, werden sogar zwei Fahrzeuge benötigt. Deren Unterhaltungskosten machen die niedrigere Miete mehr als nur wett. Ein anderer Bereich, in dem es beim Punkt Familienfreundlichkeit noch viel zu verbessern gibt, ist die Familienfreundlichkeit von Unternehmen. Es ist immer noch schwierig, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Davon sind die Mütter ganz besonders betroffen, sind sie es doch, die in den meisten Fällen erst die Kinder in den Kindergarten oder in die Schule bringen, ehe sie zur Arbeit kommen können bzw. die zu Hause bleiben müssen, wenn eines der Kinder krank ist. Für viele bedeutet es daher, sich entweder für Kinder oder für Karriere zu entscheiden. Leider wählen immer mehr Frauen die Karriere. Davon zeugen die seit Jahren rückläufigen Geburtenzahlen, ein Hauptfaktor für die zunehmende Überalterung der Gesellschaft.

Familienfreundlichkeit teilweise gegeben
Auf bestimmten Gebieten ist Deutschland durchaus familienfreundlich. Auf anderen Gebieten dagegen gibt es großen Nachholbedarf. Kleine Familien mit ein oder zwei Kindern werden durchaus gefördert, bei größeren Familien mit drei Kindern oder gar mehr sieht die Lage wesentlich schlechter aus. Sie haben es sehr schwer, bezahlbare Wohnungen ausreichender Größe zu finden. Schließlich brauchen Kinder Raum zur Entfaltung. Oft genug müssen aber Großfamilien unter beengten Verhältnissen wohnen, die allerlei soziale und gesundheitliche Probleme verursachen können. Familienfreundlichkeit würde dann herrschen, wenn die Geburtenrate permanent steigen würde. Leider geht jedoch der Trend eher in die umgekehrte Richtung und die Zahl der Singles nimmt immer mehr zu.

Familienfreundlichkeit
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