Island: „entmachtete“ Männer und gestärkte Frauen

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Betrachtet man den Global Gender Gap Index von Oktober 2013 so fällt eines auf: Die Skandinavier sind uns Deutschen, was Gleichstellung von Männern und Frauen betrifft weit voraus. Allen voran steht ein Land, das gerade einmal so viele Einwohner hat wie Münster, Island.

Schlechterer Zugang zu medizinischer Versorgung, generell die Wertschätzung des weiblichen Lebens, bessere Chancen auf Bildung, das sind Probleme, denen sich Deutschland heute nicht mehr stellen muss. Dennoch rangiert die Bundesrepublik laut des Global Gender Gap Index auf dem 14. Platz. Das hängt hauptsächlich mit der wirtschaftlichen Schlechterstellung der Frauen hierzulande zusammen.

Vorbild Island: Wo sich Frauen die Gleichberechtigung nahmen

Die Wirtschaftsministerin Islands, Katrin Juliusdottir, selbst Mutter von Zwillingen, brachte das Thema Gleichstellung und wie sie aus Islands Sicht zu erreichen war im Rahmen eines Zeit-Artikels wie folgt zum Ausdruck: „Wenn ein Arbeitgeber eine junge Frau nicht einstellen will, weil er fürchtet, dass sie schwanger werden könnte und lange fehlt, dann müssen wir dafür sorgen, dass auch die Männer zum Risikofaktor werden“. Gerade weil Männer ihren Anspruch auf Elternzeit nicht auf ihre Frauen übertragen können, sondern sie nehmen müssen, ist Kinderkriegen in Island zu einer Angelegenheit geworden, die Väter und Mütter gleichermaßen betrifft.

Darüber hinaus hat vor allem die Frauenbewegung in Island von der Finanzkrise profitiert. Junge männliche Banker, sog. Bankster, hatten damals mit ihrer Maßlosigkeit den Karren in den Dreck gefahren. Es gab daneben nur eine Bank, die sich nicht an riskanten Finanzgeschäften im Ausland beteiligt hatte, geführt wurde die von zwei Frauen. Das soll keine Propaganda dafür sein, dass Frauen die Dinge besser regeln können als Männer. Vielmehr, und das hat Island durch die Einführung der 40-Prozent-Frauenquote in Vorstandspositionen ebenfalls erreicht, sollen Frauen auch auf höchster Ebene Entscheidungen mittragen können.

Um es mit den Worten der ehemaligen isländischen Präsidentin Vigdis Finnbogadottir zu sagen: Frauen sind friedfertiger und nicht so aggressiv. Wir haben eine andere Sicht auf die Dinge. Ich meine damit nicht, dass Frauen alle Macht bekommen sollten. Vielmehr müssen Männer und Frauen kooperieren. Männer müssen erkennen, dass sie von den Fähigkeiten der Frauen profitieren können und sie als gleichberechtigte Partner akzeptieren“.

Absolute Gleichberechtigung? Die gibt es nirgendwo

Gleiche Bezahlung für alle? Das gibt es selbst in Island nicht. Auch hier verdienen Frauen weniger als Männer. Der Gehaltsunterschied beträgt 13 Prozent, immerhin niedriger als in Deutschland, und ist Zeugnis dafür, dass auch die Skandinavier noch etliche Reformen vor sich haben.

Schade also, dass die Bundesregierung mit ihrer Frauenquote gescheitert ist. Allerdings wird die Wirtschaft auch hierzulande auf längere Sicht umdenken müssen. Begriffe wie demografischer Wandel und Fachkräftemangel bringen dabei zum Ausdruck, dass auch Frauen öfter für Führungspositionen rekrutiert werden müssen. Etwas Eigeninitiative schadet bei der Jobsuche nicht, denn spätestens dann können sich Unternehmen wie Siemens nicht mehr damit herausreden, dass sie einfach keine weiblichen Ingenieurinnen finden.

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