Wandel der Familie

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Die Familie bezeichnet man gemeinhin als die kleinste Zelle der Gemeinschaft und damit auch des Staates. Das war vor ewigen Zeiten so und hat sich bis heute nicht geändert. Wie vollzog sich der Wandel der Familie und was hat sich im Zusammenleben innerhalb der Familie verändert?

Geht man um zwei-bis dreihundert Jahre zurück, dann bestand eine Familie aus bis zu drei Generationen, die zum Teil auf engstem Raum zusammen lebten. Das waren die sogenannten Großfamilien, in denen von den ältesten Menschen bis hin zum Urenkel alle gemeinsam unter einem Dach lebten. Die Alten gaben ihre Lebensweisheiten an die Jüngeren weiter und die jüngeren Familienmitglieder hatten die moralische Pflicht, die Alten zu unterstützen und zu ernähren, wenn diese selbst dazu nicht mehr in der Lage waren.
Oftmals zählte man zu einer Großfamilie auch das Gesinde dazu, da es meist einen engen Anschluss an die eigentliche Familie hatte. Diese Mehrgenerationsfamilien waren eine autarke Wirtschaftseinheit, da hier auch die Arbeitsaufgaben innerhalb der Familie verteilt wurden. Dabei wurden auch die Kinder nicht ausgenommen und sie mussten Arbeiten auf dem Feld oder im Haus verrichten. Spielen und Lernen war demnach für die Kinder im ländlichen Bereich von untergeordneter Bedeutung, da auch die Kinder ihren Beitrag zum Leben bringen mussten. In verschiedenen Studien wurde auch die emotionale Bindung zwischen den Eltern und Kindern untersucht. Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass den Kindern ein strengeres Regime auferlegt wurde und eine Fürsorge, wie sie unsere Kinder kennen, nicht gelebt wurde. Da bei vielen Familien ein Bildungsweg verschlossen blieb, lernten die Kinder hauptsächlich durch Beobachtung der Menschen und der Natur und auch aus den Erzählungen und Überlieferungen der Alten.

Wenn man einen Zeitensprung in die neue bürgerliche Gesellschaft macht, in der die Industrialisierung immer mehr an Bedeutung gewinnt, ändert sich auch die Bedeutung der Familie, der Wandel der Familie beginnt. Aber nicht nur der Wandel der Familie beginnt in dieser Zeit, sondern die fortschreitende Industrialisierung ändert auch das Leben in der Gesellschaft. Die Verlegung der Arbeitswelt in betriebliche Einrichtungen löst die alten gewohnten Familienstrukturen auf. Während sich auf der einen Seite die Arbeitstätigkeit nach draußen verlegt, wird die innere familiäre Struktur zunehmend privatisiert. Dieser Vorgang vollzog sich nicht gleich von heute auf morgen, sondern er vollzog sich in dem Maße, wie die Industrialisierung fortschritt. Der Wandel der Familie ging auch an den Geschlechtern nicht spurlos vorüber. Durch die Privatisierung in der Familie änderte sich auch die Einstellung der Familienmitglieder untereinander. Es lebten nicht mehr so viele Familienmitglieder miteinander, die Großfamilie zerfiel und jede Familie, ob jung oder alt, lebte mehr oder weniger aktiv sein eigenes Familienleben. Die emotionale Nähe der Menschen untereinander wurde intensiver und auch die Kinder wurden mehr in dieses Leben einbezogen. Dieses Familienbild festigte sich im Laufe der Jahrzehnte immer weiter und es entstand ein Idealbild der Familie. Der Wandel der Familie ist auch heute noch nicht abgeschlossen und wird sich auch noch weiter fortsetzen, da sich die Bedingungen im Leben der Menschen immer wieder ändern werden.

Die heutige Familie unterscheidet sich in ihrem Aufbau wesentlich von der einstigen Großfamilie. Im neuen Wohn- und Lebensbereich ist überwiegend von der Kleinfamilie die Rede, das heißt, diese Kleinfamilie besteht aus den Eltern und ihren Kindern und sie hat auch die einstige Funktion der Großfamilie eingebüßt. Die heutige Kleinfamilie muss die Eltern und Großeltern nicht mehr unterhalten, sie kann sich mehr auf ihr Zusammenleben einstellen und andere Lebensinhalte bestimmen das Familienleben. Der Wandel der Familie vollzieht sich auch weiterhin, denn wenn vor Jahren in einer Familie noch drei oder vier Kinder lebten, so leben heute durchschnittlich nur ein oder maximal zwei Kinder in einer Familie. Das heutige Familienleben hat auch andere Inhalte, als zum Beispiel die Großfamilie. War das Motto der Großfamilie „Leben um zu arbeiten“ so hat sich der Tenor geändert, denn viele Menschen stehen zu der Auffassung „Arbeiten um zu leben“. Die Aufgabe der Familie von heute ist darin zu sehen, dass die soziale Stellung der Menschen gefestigt werden soll. Die Kinder werden von den Eltern mit modernen Mitteln auf das künftige Leben vorbereitet, wobei das Weltvertrauens und das Weltverständnis gefördert werden sollen. Die Kinder von heute leben meist in einer multikulturellen Gesellschafft und die heutige Familie hat die vordringliche Aufgabe, für die emotionale Festigung des Kindes Sorge zu tragen. Dabei werden die Eltern durch die Schulen und andere staatliche Einrichtungen unterstützt. Die Familie als kleinste Zelle des Staates sorgt also dafür, dass die Kinder in der Lage sind, einmal soziale Rollen zu übernehmen. Die Kinder lernen auch, dass sie sich von anderen Kindern unterscheiden, sie lernen also, dass sie selbständige Individuen sind, die zwar auch eigene Bedürfnisse haben, aber auch die Bedürfnisse anderer achten müssen. Kindliche Handlungen sollen positiv beeinflusst werden, damit aus unselbständigen Kindern Menschen werden, die in der Lage sind, den Anforderungen der heutigen Zeit zu entsprechen und die verantwortungsvolle Aufgabe der Familie zu übernehmen.

 

 

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